Die körperlichen und mentalen Folgen einer Diät

„Wann hast Du das letzte Mal in deinem Leben nicht an „abnehmen“ oder „bloß nicht zunehmen“ gedacht?“ Die schlanke zierliche Frau überlegt und antwortet mir: „Nie.“

Alles beginnt mit einem Gedanken im dem Kopf junger Mädchen (beim Blick in Zeitschriften oder in den Fernseher) und geht bis ins hohe Alter fast jeder Frau. Ich muss abnehmen. Dem Wort „abnehmen“ allein haftet schon Bedeutung an, denn die Vorstellung einer Gewichtsreduktion, dünnen Armen und staksigen Beinen, ausgemergelten flachen Bäuchen und das Gefühl, eine zarte Feder zu sein, hat etwas Magisches.

Keine Frage, bei einer Gewichtszunahme an Fett über einen normalen Bodymaßindex-Wert hinaus, liegt die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ nah und muss auch nicht in Zweifel gestellt werden. Aber in der heutigen Zeit beschäftigen sich mehr schlanke bzw. dünne Frauen mit diesem festsitzenden Dauergedanken, als Frauen, die medizinisch betrachtet ihrer Gesundheit wegen die Ernährung umstellen sollten.

Die Folgen einer Diät

Unabhängig von der gesellschafts- und kindheitsgesteuerten mentalen Ursache, ist die Folge dieses lebenslangen Diät-Drucks massiv:

Womit die Diätenden beginnen, und was sich hartnäckig in ihren Köpfen hält, ist die Annahme, bestimmte Lebensmittel und Makronährstoffe nicht mehr essen zu „dürfen“. Am bekanntesten sind die Ernährungsformen „lowcarb“ und „lowfat“, bei der überwiegend fettreduzierte Light-Produkte konsumiert, und/oder Kohlenhydrate zum Großteil weggelassen werden. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der Körper essentielle Fette und Aminosäuren nicht selbst bilden kann; somit zum Überleben braucht; jedoch Glukose aus Kohlenhydraten selbst bilden kann und somit nicht davon abhängt, ist der „lowcarb“-Ernährungstrend nachvollziehbar. Auch im Hinblick darauf, dass durch die Reduktion von Brot, Nudeln etc. eine schnelle Veränderung des Körpers stattfindet (zuerst wird Wasser ausgelagert und durch die geringere Kalorienzufuhr irgendwann auch Fett), ist der Trend verständlich.

Die meisten Frauen jedoch entwickeln eine regelrechte Angst vor Kohlenhydratlieferanten wie Reis, Kartoffeln oder Getreide. Auch Vollfettvarianten von Milch, Joghurt oder Erdnussbutter (Stichwort PB2) werden oft gemieden. Diese Veränderung der bisher instinktiven Ernährungsweise (sofern sie nicht nur aus Junkfood bestand) hat zunächst eine kausale Folge: Geist und Körper geraten außer Balance.

Der Körper

Indem dem Körper Makronährstoffe vorenthalten werden, welche wiederum das Sättigungs- bzw. Befriedigungsgefühl beeinflussen, wird der naturgegebene intuitive Appetit (und auch hier gilt: Nicht von Zucker beeinflusster Appetit!) unterbunden. Intuitiv essen bedeutet, nach den Signalen des Körpers zu essen, ohne dem Kopf die alleinige Entscheidung über die Nahrungsmittel und -zeiten zu geben. Wie beispielsweise: „ich habe zwar Lust auf Reis, aber ich habe kein Training gehabt heute“, „Ich hätte gern einen Nudeln, aber esse stattdessen eine Low Carb Variante“. Der Körper erfährt somit keine unmittelbare Befriedigung, sondern wird mit einer Attrappe bzw. einem Ersatz abgespeist. An sich nicht verkehrt, wenn der Körper diese Kohlenhydrate aufgrund reichhaltiger ausgewogener vorheriger Mahlzeiten nicht braucht. Bei vielen Frauen entstehen jedoch grundsätzlich dadurch nach gewisser Zeit Gelüste, die sich in einem Anfall von übermäßigem Essen entladen. Nicht in allen Fällen, aber in vielen. Der Körper stellt sich nach und nach auf die eingeschränkte Ernährungsform ein und reagiert, isst man erst einmal wieder wie zuvor, überfordert. Fragt man Frauen, die lange Zeit sehr streng reduziert und nicht abwechslungsreich gegessen haben nach ihrer Verdauung, ist die Antwort meist: Bauchweh, Verstopfungen etc.

Der bisher gut funktionierende starke Körper wird bewusst aus der Balance geworfen und manipuliert, im Glauben, nun würde man endlich abnehmen.

Der Kopf

Das größere Problem ist jedoch mentaler Natur. Die selbstauferlegten Verbote verankern sich im Gehirn und dividieren völlig normale Lebensmittel in „gut“ und in „böse“, welches die Tür zu einer sich über die nächsten Jahre hinziehenden mentalen Achterbahn öffnet. Wird gesund, kohlenhydratarm oder fettarm gegessen, ist das gut. Ein Stück Torte oder eine Pizza sind schlecht und bedeuten einen Kontrollverlust. Der an sich völlig normale Konsum bestimmter Nahrungsmittel verursacht somit ein schlechtes Gewissen und eine hohe mentale Belastung. Es werden akribisch Kalorien ausgerechnet und jedes Gramm mehr auf der Waage bedeutet das Ende des Tages. Auch wenn diese Frauen intelligent sind und wissen, dass Wasser, Hormone oder die letzte Mahlzeit die Tageszahl auf der Waage beeinflussen, führt diese Zahl nur zu einer erneuten noch strengeren Geißelung und Kontrolle. Mit der langfristigen Folge, dass ein normales unbeschwertes Leben mit sozialen Anlässen, eigentlich nicht mehr möglich ist.  Denn es ist ein Kreisel, in dem sie sich befinden.

Fazit zu den körperlichen und mentalen Folgen einer Diät

Diese Verhaltensweise wurde bisher nicht als Essstörung deklariert, da sie innerhalb des Rahmens einer gesellschaftlich normalen Verhaltensweise liegt. Was jedoch Fakt ist: 60%* der im Rahmen einer Umfrage des Forsa-Instituts schon im Jahre 2000 befragten Frauen in Deutschland hatten eine „gestörte“ dh. nicht mehr unbeschwerte Beziehung zum Essen. Weitere Umfragen und Statistiken hierzu sind nicht öffentlich gemacht.

Die Frage also, die sich jede Frau vor Beginn einer Diät stellen sollte, ist, ob diese Diät wirklich nötig ist. Ein bestimmtes (wenn erforderliches) Ziel kann nur erreicht und erhalten bleiben, wenn die Person eine zielgerechte Einschränkung der Gesamtkalorien vornimmt und „Erfüllung“ durch den Lebensstil erfährt, körperlich sowie mental. Und dieses Leben in Erfüllung kann nicht funktionieren, wenn ein Stück Schokoladenkuchen ein schlechtes Gewissen bis hin zu Selbsthass auslöst oder bestimmte Makronährstoffe dem Körper auf Dauer vorenthalten werden. Hierdurch verliert man nur eins: Die Balance.

 

 

 

 

 

 

Fotoquelle: Freepik

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/umfrage-jede-zweite-frau-fuehlt-sich-zu-fett-a-91887.html

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