Personal Trainer oder Diätprogramm…oder etwas Anderes?

Obwohl die meisten Menschen im Alltag ständig am eigenen Erscheinungsbild arbeiten, sind viele nicht zufrieden mit Ihrem Körper. Diäten sind fehlgeschlagen, der Körper hat sich trotz Sport nicht wesentlich verändert und  die Frage entsteht, woran das liegt. Warum überhaupt die ganzen Bemühungen, wenn die Bestform einfach nicht erreicht wird? Der Frustrationspegel steigt, während die Lebensqualität durch selbstauferlegte Restriktionen und Unzufriedenheit sinkt.

Genau für diese große Zielgruppe sind inzwischen eine Vielzahl an Online-Diät-und-Fitness-Programmen für teils stolze Preise auf dem Fitnessmarkt erhältlich.

Die Mehrzahl der Programme sind für eine Dauer von 10-12 Wochen vorgesehen und streben allesamt eines an: Einen schnell sichtbaren Erfolg durch das Erreichen eines Kaloriendefizits durch Ernährung in Verbindung mit Sport.

Ein Kaloriendefizit durch eine vorgegebene Menge und Art von Nahrung, in Kombination mit gesteigertem Verbrauch durch Sport über den festgelegten Zeitraum, führt in fast allen Fällen schnell zu der gewünschten Körperformung (bei denjenigen, die die Programme stringent absolvieren). Im Idealfall geschieht der Gewichtsverlust nicht nur durch den Verlust von Muskeln und Wasser, sondern durch den Verlust von Fett.

Hieraus ergeben sich jedoch schnell zwei Fragen:

  1. Was ist, wenn das Diätprogramm absolviert wurde und der Alltag einkehrt, in dem ein dauerhaft so fortgeführtes Kaloriendefizit gesundheitsschädigend wirkt?
  2. Was ist, wenn die Gründe für Übergewicht oder Trägheit tiefer liegen als in mangelndem Wissen über Ernährung und Training oder dem Fehlen simpler Motivation?

Zur Beantwortung der ersten Frage, sollte man einen Blick auf so ein Programm werfen.

Ursache Alltagsstress

Angenommen, Person A hat über die letzten Jahre, z.B. aufgrund ihrer vielen Verantwortung im Beruf nicht nur viel Stress, sondern auch eine große Anzahl von Überstunden, Wochenendeinsätzen oder ähnlichen zeitlichen und mentalen Belastungen angesammelt. Durch den Tageablauf und soziale Verpflichtungen gelingt eine konstante und ausgewogene Ernährung nicht. Die tägliche Bewegung besteht aus den notwendigen Schritten.  Person A fühlt sich müde und ausgebrannt. Unwohl im eigenen Körper. Das nackte Spiegelbild ist kaum ertragbar. Nachts hat Person A Schlafstörungen, sodass nur Massen an Kaffee sie über den Tag retten. Der kurze Lauf zur U-Bahn fühlt sich an wie eine Meile.

Nun ist der Punkt erreicht, an dem eine Veränderung her muss.

Was bewirkt das Programm?

Die Aussicht: In 12 Wochen zum Traumkörper, zum Sportler, zum Fitness-Koch für nur 200 Euro. Das Leben wird danach so viel leichter sein, denkt sich Person A.

Das Programm gibt einen strengen Ernährungsplan vor, der, nachgerechnet, aus ca. 1400 Kalorien pro Tag besteht. Der Ernährungsplan ist unabhängig davon aufgestellt, wie groß und schwer die Person ist. Unabhängig davon, ob die Person nur sitzt oder körperlich arbeitet.

Morgens nun also Frühstück mit 50 g Haferflocken und 100 g Quark. Der Snack ein Shake. Zu Mittag 200g Huhn. Wie soll man das in der Kantine finden? Also wird vorgekocht. Der Restaurantbesuch mit Kollegen gestaltet sich schwierig. Und es gibt Wein.

Die Absolventen

In diesen ersten Wochen trennt sich die Spreu vom Weizen. Die eine Gruppe von Programm-Absolventen ist durch den ersten Restaurant-Besuch, bei dem es Wein und Pizza gab, oder durch den gewohnten Griff zur Schokolade demotiviert und bricht ab. Das Gefühl entspricht einem „jetzt kann ich es auch ganz lassen“. Demotivation, ein Gefühl des Versagens. Die nachfolgenden Wochen sind aus Frust umso kalorienreicher.

Die andere Gruppe schafft sich Zeit für das Trainingsprogramm und hält sich eisern an die Ernährungsplan-Vorgaben. Auch Person A ist dabei. Nach den ersten Wochen wird das Training langsam leichter. Aufgrund des, personenunabhängigen, Kaloriendefizits wird die Kleidung weiter, Person A fühlt sich fit und straff.

Aber es ist anstrengend, auf alles zu verzichten, was sie mag. Sie hat Gelüste, die ignoriert werden, denn bestimmte Lebensmittelgruppen sind verboten. Bei jedem sozialen Anlass muss sie vorher eruieren, ob es das richtige zu Essen gibt und notfalls verzichten. Erklären, wieso sie keinen Alkohol trinkt. Aber das Programm wird durchgezogen, schließlich sind es nur noch 2 Wochen und dann…. ja, und dann?

Und dann?

Keine Frage, viele kommen durch Absolvieren eines beispielsweise 12-Wochenprogramms in einen gesünderen Lebensrhythmus. So sollte es sein.

Es ist weder von den Entwicklern vorgesehen, noch ratsam, die Kurzzeit-Programme dauerhaft durchzuführen. Grund dafür ist die vorgegebene geringe Kaloriendichte. Diejenigen, die dauerhaft stringent bleiben, finden sich oftmals in einem extrem kontrollierten Ernährungsalltag wieder, auf welchen der Körper früher oder später mit Mangelerscheinungen reagiert. Es ist nicht selten, dass sich durch die dauerhafte Fortführung der zeitlich begrenzten Programme eine ernste Essstörung entwickelt.

Aber in der Realität feiert die Mehrzahl den erfolgreichen Abschluss des Programms mit dem Genuss aller bisher strikt verbotenen Lebensmittel. Meist wird dann in den nächsten Tagen ein Zirkel betreten, in dem ein verzweifelter Wechsel zwischen Lust und Genuss von erlaubten Lebensmitteln und dem Festhalten am Diätplan stattfindet. Die Person hält sich dann nach und nach irrtümlich für willensschwach und undiszipliniert – nicht realisierend, dass durch den strengen Verzicht in den letzten Wochen im Gehirn ein Prozess in Gang gesetzt wurde, der nun in den zucker- und fetthaltigen Lebensmitteln die Überlebenssicherung sieht.

Zudem gilt: Weder sind die emotionalen Probleme, noch ist z.b. der enorme der Druck der Arbeit mit der Gewichtsabnahme verschwunden. Die gleichen mental belastenden Faktoren wie vor der Gewichtsabnahme warten, wenn man Abends nachhause kommt. Das standardisierte, auf 12 Wochen ausgelegte, Trainingsprogramm wird eintönig, die Ernährungsvorgaben sind nicht immer in den Alltag integrierbar.

Der Grund für den ungesunden Lebensstil und die resultierende Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist bei allen Menschen unterschiedlich. Ebenso, wie nunmal alle Menschen unterschiedlich sind. Die Programme jedoch machen keinen individuellen Unterschied. Sie nehmen keine Rücksicht auf die individuellen Anforderungen der Körper, noch können sie individuelle seelische Belastungen berücksichtigen.

Ursache emotionaler Stress

So kommen wir zur Beantwortung der zweiten Frage: Was ist, wenn die Gründe für Übergewicht oder Trägheit tiefer liegen als in mangelndem Wissen über Ernährung und Training oder dem Fehlen simpler Motivation?

Wenn die Gründe für Übergewicht oder Trägheit z.B. in seelischem Kummer, mangelndem Selbstwertgefühl und anderen negativen Gefühlen liegen, so ist der tägliche Usus die Kompensation dieser Gefühle durch Essen.

Wie wirkt das Programm?

Ein Diätprogramm mit strengem Ernährungsplan ist an der Stelle reine Symptombekämpfung. Mit weitreichenden Folgen. Denn, zusätzlich zu den negativen Gefühlen, werden nun auch gern gegessene Lebensmittelgruppen verboten. Wenn nun der Diätplan nicht durchgehalten wird, kommen on top zu dem seelischen Kummer noch Schamgefühle, welche wiederum gewohnheitsmäßig mit Essen unterdrückt werden.

Wenn das Programm trotz negativen Stresses durchgezogen wird, ist das Risiko eines Fress-Verbotzirkels umso größer.

Fazit

Ein zeitlich begrenztes Diät-Programm ist hilfreich, um Wissen über Ernährung und Training zu erlangen. Aber es ist nicht alltagstauglich.

Was also macht ein (guter) Personal Trainer anders?

Im Idealfall kann der Personal Trainer erfassen, wo der Bedarf des Kunden liegt. Und, sofern der Kunde nicht gerade einen Bikini-Wettkampf gewinnen möchte, liegt der Bedarf seltenst in einem strengen Ernährungsplan mit nur Brokkoli und Huhn, sondern in einer, dem Lifestyle des Kunden angepassten Trainings- und Ernährungsform.

Einem Personal Trainer kommt somit, neben der reinen Vermittlungsfunktion, oftmals auch die Funktion eines Coaches zu. So wie sich die Lebensumstände eines Kunden wandeln können, sollte sich der Trainings- und Ernährungsrhythmus des Kunden wandeln. Hier reagiert der Personal Trainer mit einer Anpassung. Im Gegensatz zum Programm ist das Ziel des Personal Trainers eine dauerhafte bis lebenslange Etablierung einer allgemeinen Fitness in das Leben des individuellen Kunden.

Die Personal Trainer auf dem heutigen Markt unterscheiden sich vielfach hinsichtlich ihrer Ausbildung, Vorerfahrung, emotionalen Intelligenz, Honorar und Spezialgebieten. Um den für sich richtigen Personal Trainer zu finden, sollte man auf jeden Fall im Vorfeld ein Kennlerngespräch führen. Dort findet sich die Chance, in sich hinein zu hören, was das eigentliche Ziel ist und genau zu erfragen, wie der gegenübersitzende Trainer vorgeht.

Am Ende ist am Wichtigsten, sich immer wieder zu hinterfragen: Was ist los in meinem Leben? Wie kann ich meinen Stress reduzieren/mich glücklich machen? Und was ist ein für mich angenehmer dauerhafter Ernährungs- und Trainingsalltag?

Dann ist die Basis schon gesetzt.

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/coaching-training-mentoring-2738522/

 

 

 

 

 

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